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Das Exil

Kapitel 2

Ich erinnere mich an die erste Zeit im Exil. Sie war fürchterlich. Ich wusste nicht wohin mit mir, ich lief planlos in irgend eine Richtung, nur um mich dann kurz darauf wieder für eine andere zu entscheiden…

Ich lief durch weite Wüsten, die im Nichts endeten,

kletterte auf hohe Berge die Mühsal forderten,

taumelte durch tiefe Schluchten voller Entbehrungen,

und schlich durch finstere Wälder, in denen man den Mut verliert.

Nach all der Zeit spiegelte mein Äußeres mein Inneres wieder. Ich war mittlerweile nur noch in Fetzen und Lumpen gekleidet. Und doch, zog ich weiter und weiter. Zeit hatte an diesem Ort scheinbar ohnehin keine Bedeutung, sodass ich auf den Tod nicht hoffen konnte. Körperlich wie geistig völlig erschöpft, lehnte ich an einen Fels und zählte Minuten und Stunden, die es nicht gab.

Irgend wann wanderte mein leerer Blick auf den Felsen, an den ich lehnte. Dieser Findling war behauen. Und mehr noch, man konnte eine alte Inschrift erkennen, die vor sehr langer Zeit in den Stein gehauen worden war. Verwittert und scheinbar vom Zahn der nicht vorhandenen Zeit zernagt, war sie zwar schwer zu erkennen, jedoch war sie da! Ich konnte die Zeichen damals nicht deuten. Diese Hieroglyphen waren mir zu dem Zeitpunkt noch absolut fremd.

Ich wurde neugierig und suchte den Fels nach weiteren Symbolen ab. Mit der Hand staubte ich den Stein hektisch ab und tatsächlich fand ich weitere Zeichen. Wieder diese mysteriösen Symbole doch, da war noch mehr.

Ich erkannte ein ganzes Relief, ein in Stein gehauenes Bild. Leider war es noch schwerer zu erkennen als die Symbole, ich schruppte und rieb an dem Stein, um das Bild klarer werden zu lassen. Ich sah eine Kreatur, eine Sphinx, diese Sphinx wies mit einem ihrer Flügel auf ein Gebäude. Es war ein Turm. Auch wenn diese Malerei und diese Schrift mir damals absolut nichts sagten, so gewann ich durch sie neuen Mut. Ich erkannte, dass es in dieser trostlosen Welt etwas geben musste, dass mir vielleicht helfen kann.

Es war ein Anhaltspunkt. Der erste Hinweis auf etwas, dass mich vielleicht aus dieser verzerrten Welt raus bringen konnte. Mit neuer Motivation richtete ich mich auf und beschloss nicht weiter zu verzagen, es musste einen Weg aus dieser Welt geben, und Zeit genug ihn zu finden hatte ich auch! Und so lief ich erneut los, diesmal in die Richtung, in der der Flügel der Sphinx zeigte. Es gab absolut keinen Grund anzunehmen, dass mich das irgend wohin führen sollte, aber es war das Einzige das ich in dem Moment hatte, also begann ich meinen Marsch….

So fremd mir damals diese Symbole waren, so vertrauter sind sie mir jetzt. Es ist die uralte Sprache Nevianara, in der auch das Buch Mormis eus duhm aram verfasst wurde. Die Szene auf diesem Stein zeigt, eine Sphinx, die auf einen Turm weist. Die Inschrift lautet wie folgt :

„Tindio Cenurum noru Lorenia shent do Urmoros dao tin dao Herio ran. Gameta Wamis odeois dolor.“

Übersetzt bedeutet es soviel wie :

„Im Zentrum dieser Welt steht ein Turm der in den Himmel ragt. Alle Wege enden dort.“

Inhaltsverzeichnis

Prolog

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